Die Druckgrafik soll am FB Design künftig nicht mehr angeboten werden.
Die angegebenen Gründe des Dekanats sind u.a., dass die Druckgrafik ein Handwerk, und dass dieses Handwerk kein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung im Fach Design sei (und somit entbehrlich).
Desweiteren seien Siebdruck, Radierung, Holzdruck und Litographie keine zeitgemäßen Medien, und damit für den Markt, und damit auch für das marktorientierte Bildungsangebot des Fachbereichs nicht mehr relevant. Es lohne sich in Zeiten des finanziellen Mangels also nicht mehr, Personal in diesem Bereich zu unterhalten bzw. Räumlichkeiten dafür bereitzustellen.
In diesem Artikel sollen Statements zu der laufenden Debatte, ob die Druckgrafik abgeschafft werden sollte oder nicht, gesammelt werden.
Statements bitte über die Kommentarfunktion direkt posten (Namen nicht vergessen) oder per email an sundaythoughts (@) gmx.de!
Frank Münschke, Vorstand des Deutschen Werkbundes
Als Schriftsetzer, Druckvorlagenhersteller, Verleger und Mitglied des Vorstandes des Deutschen Werkbundes NW unterstütze ich Euren Wunsch, die Siebdruckwerkstatt zu erhalten. Für mich als “Handwerker” in der Druckbranche ist es immer wieder erschreckend, wie wenig von den handwerklichen Fähigkeiten in den heutigen Studiengängen vermittelt wird, da doch gerade diese die Grundlagen für unsere heutige digitalisierte Arbeitswelt im gestalterischen Bereich darstellen. Ohne die sinnlichen und praktischen Erfahrungen, wie sich zum Beipiel Papier und Farben in klassischen Druckverfahren verhalten, werden viele digitale Möglichkeiten lediglich mechanisch, ohne diese wirklich zu verstehen und dadurch oft falsch angewendet …
Mit freundlichem Grüßen
vom Weltkulturerbe Zollverein
Frank Münschke dwb
Bernhard Michl, Leiter der Siebdruckwerkstatt, Hochschule der Medien, Stuttgart
Hallo zusammmen,
…zur Aussage “Siebdruck ist nicht zeitgemäß”. Der Siebdruck ist eines der innovativsten
und modernsten Druckverfahren überhaupt! Mehr Info´s über unsere Homepage
http://www.hdm-stuttgart.de/siebdruck/. Anbei ein Fachartikel unserer Studenten, wie er
in der nächsten Ausgabe der Fachzeitschrift SIP (Siebdruck-Info-Post, www.sip-online.de,
www.verlagshaus-gruber.de) erscheinen wird.
Grüße
Bernhard Michl
Frank Hoppmann, Karikaturist und Alumnus des FB Design (http://www.frankhoppmann.de/)
Ja, ich habe bereits davon gehört und schade ist das. Natürlich, die Studienzeit hat sich verkürzt, Gebühren, bald keine Druckkurse mehr, es klingt ja wie ne logische Konsequenz. Ich hatte noch die Möglichkeit, 14(!) Semester zu studieren. Das hört sich heute seltsam an, es war auch ab und zu schwierig, Geldprobleme auch ohne Gebüren, doch hatte man Zeit fürs Studium, Zeit, Sachen auszuprobieren. Ich möchte es nicht missen, dass ich sogar noch die Möglichkeit hatte, Bleisatz zu machen, das wäre auch oder gerade heute für jeden potentiellen Typographen prägend. Und natürlich habe ich mir für die Druckgraphik Zeit genommen. In der Fh hatte ich meistens die Möglichkeit, Radierung, Lithographie, Offset, Siebdruck, Holzschnitt zu machen, manches länger, anderes kürzer… es ist sehr traurig zu hören, wenn Leute behaupten, der manuelle Druck sei kein zeitgemäßes Druckverfahren. Was nicht modisch wird, kommt weg, so siehts heute aus.
Der Punkt ist doch , dass die Druckgraphik wunderbare Ausdrucksmöglichkeiten bietet, immer noch einen hohen Stellenwert hat, das wird immer so bleiben. Ist natürlich speziell, aber nicht jeder kann mehr oder weniger langweilige Kinderillustrationen machen, wobei da der Markt da ist, natürlich.
Individualität sollte gefördert werden, mit der Schließung von Druckwerkstätten passiert das Gegenteil.
Das Studium ist kurz und jeder sollte die Möglichkeit haben, zu probieren. Einen strich zu machen, Druckverfahren gehöre eher der Kunst und nicht dem Design an, finde ich wiederum eine traurige wie scheinbar unüberlegte Aussage. Dann wird in 2 jahren die komplette Illustration rausgeschmissen? Und künftige Illustratoren bestehen nur noch aus Autodidakten? Ich finds schade für die Fh, für die Studenten. Als ich angefangen habe, zu studieren, 1996, hatte ich mich vorher bei vielen Leuten erkundigt, über die Fh Münster, Fb Design.
Insgesamt kam dabei heraus, dass die Fh einen guten Ruf genoss, was viele darauf bezogen haben, Möglichkeiten zu haben, gerade im Bereich der Illustration, es gab das Konservative, die freie Zeichnung, das Kinderbuch, die Druckgraphiken, die freie Graphik, das freie künstlerische Buch, sogar bis zur Malerei, gegenständlich, im Gegensatzt zur Akademie, die ja aber auch nichts illustrieren lassen wollte, bei einigen vielleicht den Seelenhaushalt, aber naja. Das waren die Gründe, warum ich an der Fh damals studieren wollte.
Wenn die Druckwerkstätten weg sind, würde ich mir heute einen anderen Ort zum Studieren suchen, wo die Illustration, und das Künstlerische in der Illustration mehr im Vordergrund steht.
Mit besten Grüßen Frank Hoppmann